Sonntag, 29. Juli 2018

König Ludwig II. Tod - ein vertuschter Kriminalfall? - 25. Teil

ine kurze Zwischenbilanz

Ja, was mögen sie nun gedacht haben, die gelehrten Ärzte, als sie den König, den sie nun in ihrer Gewalt, das Wort Obhut mag ich nicht benutzen, hatten?
Dr. Müller ist, wie ich schon sagte, ein zwielichtiger Charakter, der sich selbst in seinen Erinnerungen noch negativ über den König äußert, sich selbst herausstreicht und für mich, da er so aggressiv reagiert, der schwächste Zeuge ist. Ich bin der Überzeugung, dass er als Erster in einem strengen Verhör geredet hätte.

Alle Reaktionen des Königs waren doch normal: als die Kolonne im Schloß angekommen war, gab es für ihn ein Essen, dann legte sich der übermüdete Mann zu Bett. In der Nacht erwachte er, weil es in dem kalten Zimmer fror und er etwas Hunger hatte (die Kleidergeschichte von Dr. Müller zweifle ich an). Dann schlief er bis zum frühen Morgen, duschte, ließ sich frisieren und frühstückte. Danach wollte er in die Messe gehen.
Die Pfleger, die natürlich den Auftrag hatten, den König zu beobachten konnten nichts Auffälliges über ihn sagen.

* Weder kleckerte er beim Essen, noch beschmierte er seine Kleider damit oder spritzte mit den Getränken herum.
* Er schnitt keine Grimassen, hüpfte herum, brachte seine Haare in Unordnung oder zupfte an seinem Bart.
* Er führte keine Selbstgespräche oder wandte sich der Illusion zu, Gudden selbst nennt es so, dass unsichtbare Gäste anwesend seien. 

Dr. Grashey sagte später zu seinem Schwiegervater, Dr. Gudden, dass er, so wörtlich "den Zustand seiner Majestät nicht für rettungslos halte", eine Aussage, die Gudden barsch zurückwies.
Haben sich die anderen Ärzte nicht doch mittlerweile Gedanken gemacht, dass sie ein Gefälligkeitsgutachten unterzeichnet hatten? Haben sie evtl. verlangt, die Zeugenaussagen selbst selbst durchlesen zu können, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können? Wollten sie den König, wenn auch reichlich spät, untersuchen? Sie hatten es mit einem normalen Menschen, der unauffällig war, zu tun. 
Warum hat keiner dieser Ärzte den Mut zusammengenommen, mit dem König zu reden? Ihm etwas zu sagen, dass er hier, um die falschen Aussagen, die man über ihn gemacht hätte, durch eine begrenzte Beobachtungszeit widerlegen zu können? Dass man ihm nun den Beistand eines Rechtsanwalts, oder Anwälte, möglich machen würde, zudem noch andere Gutachter, oder Ärzte, wie seine Leibärzte, hinzuziehen würde? 

Noch eine kleine Anmerkung: dass der König beim Essen manchmal kleckerte, ist möglich. Aber nicht, weil er nicht auf Tischmanieren hielt, sondern weil es ihm schwer fiel, oder auch gar nicht, das Besteck zu halten. In seinen Briefen an seine ehemalige Erzieherin, Sibylle von Leonrod, klagte er , dass ihm seine Handgelenke aufschwellen würden, so dass er sie nicht bewegen könne und man "ihn wie ein Kind füttern müßte".
Das berichtet er bereits in jungen Jahren und die Frage taucht auf, ob dieses Symptom, zusammen mit den schweren Kopfschmerzen, die sich regelmäßig vom Hinterkopf aus ausbreiteten, zusammen mit den Kiefer- und Zahnschmerzen, nicht eher ein Leiden der Wirbelsäule, gepaart mit Neuralgien, waren.

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