In meiner Heimatstadt gibt es eine Sagengestalt, die man den "Schlorga-Hans" nennt. Schlorgen ist die schwäbische Bezeichnung für schwere tapsige Schritte.
Er lebt in einem großen Gebäudekomplex, früher "Zur Eintracht" genannt.
Auf den angrenzenden Martin-Luther-Platz, früher ein Friedhof, kann man in stillen Nächten seine Schritte hören. Und wer zu neugierig ist und ihn sehen möchte, kann ganz unvermittelt eine Ohrfeige bekommen, erzählten sich die älteren Leute. Das stellte jemand nochmals vor ein paar Jahren fest:
In dieser Zeit wurde der Gebäudekomplex (ursprünglich eine Antonierpräzeptorei) grundlegend saniert und renoviert. Der junge Mann, er ebenfalls von der Sage gehört hatte, wollte sich davon überzeugen, was da so dran sein. Er legte sich also auf dem Martin-Luther-Platz auf die Lauer und wartete geraume Weile. Da es schon nach Mitternacht war, war auch alles ganz ruhig. Die Glocke der nahen St.Martinskirche schlug ein Uhr, zwei Uhr. Der junge Mann, des Wartens schon müde und enttäuscht, wollte gehen, da hörte er schwere Schritte. Aha, dachte er sich, ein Nachtschwärmer! Doch er konnte niemanden entdecken, doch die Schritte kamen immer näher. Es war immer noch niemand zu sehen, da kamen die Schritte unmittelbar vorbei. er junge Mann, ganz aufgeregt, folgte den Schritten bis in den Gebäudekomplex hineine. Plötzlich war wieder Ruhe. Der junge Mann wandte sich zum gehen, da kam aus dem Nichts eine empfindliche Ohrfeige! Der junge Mann, total verängstigt, rannte davon.
Heute ist in dem Gebäudekomplex, genannt "Antonierhaus", das zudem eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat, die Bibliothek, zwei Museen und u.a. ein Cafe untergebracht. Und wo ist Schlorga-Hans? Die Mitarbeiter der Bibliothek haben mir erzählt, dass sie nach Feierabend, wenn also die Bibliothek abgesperrt wird, schwere Schritte zu hören sind und sich manchmal der Fahrstuhl in Bewegung setzt....
Zur wahren Begebenheit, die hinter dieser Sage steckt.
Schlorga-Hans, den genauen Namen kennt auch die Heimatpflege nicht mehr, war ein Reisender, der Ende des 17. Jahrhunderts in meiner Heimatstadt Station machte. Er war aber nicht allein, sondern seine hochschwangere Frau reiste mit ihm. Die Reise mußte sie sehr angestrengt haben, kein Wunder bei den Kutschen, so dass sie noch am gleichen Tag entband. Und wie das damals oft so war, Frau und Kind überlebten nicht und wurden auf dem Friedhof am heutigen Martin-Luther-Platz beigesetzt.
Der trauernde Witwer blieb in meiner Heimatstadt, mietete im Antonierhaus ein Wohnung, aus der ehemaligen Präzeptorei waren Wohnungen geschaffen worden, und besuchte täglich,bis zu seinem eigenen Tod, das Grab seiner Angehörigen. Da er einen schweren Schritt hatte und schlurfte, nannte man ihn Schlorga-Hans.
Die bunte Welt von "BDB"? Ganz einfach: Brigitte Deininger Bayern! Da Romane und Sachliteratur, gepaart mit eigenen Geschichten und Abhandlungen immer mein Steckenpferd waren, freue ich mich, manches den geneigten Lesern öffentlich machen zu können. Ich wünsche ein reiches Lesevergnügen und spannende Lesemomente!
Dienstag, 28. April 2015
Freitag, 24. April 2015
Katzendame Reza - Foto 1
Das ist meine kleine Katzendame Reza, auf einem ihrer Lieblingsplätze.
Sie freut sich über jeden Leser, der ihre Geschichten in ihrem "Tagebuch verfolgt und schickt ein gurrendes, schnurrendes "miau".....
Donnerstag, 23. April 2015
Eine kleine Katze namens Reza - Fortsetzung 20
Einen wunderschönen guten Morgen,
an diesem frischen, aber sonnigen Tag, der überdies verspricht, auch noch warm zu werden, worauf ich mich besonders freue, denn da ist es an meinen Lieblingsplätzen, und davon gibt es sehr viele, besonders warm und gemütlich. Überall weiche warme Decken, die Sonne scheint auf den Pelz, so manches Stäubchen tanzt im hell-goldenen Licht....einfach wunderbar.
Über eine gewisse Zeit mochte ich meinen Platz am Ostfenster überhaupt nicht mehr, denn da wurde ich immer beobachtet, egal, ob ich nun am offenen Fenster saß oder auf meiner Decke lag. Nebenan sind nämlich die Fenster eines Ballettsaals und da waren über einen gewissen Zeitraum auch immer junge Mädchen, die dort üben wollten. Als sie mich entdeckt haben, guckten sie immer zu mir herüber, oft machten sie auch die Fenster auf. Dann sprachen sie mit mir und wollten mich anlocken: "Ja, Katze, schöne Pussi, komm doch her...". Als ich so dumm wäre, von einem Fenster ins andere zu springen! Was dachten die eigentlich von mir?
Auf morgen freue ich mich schon. Da kommt mein Freund Maximilian, der Sohn meiner Halterin und der hat immer so richtig viel Zeit für mich. Da können wir ausgiebig toben und der nimmt es auch nicht krumm, wenn ich im Spieleeifer mal versehentlich die Krallen ausfahre. Aber es macht soviel Spaß mit ihm, der hat so richtig Geduld und später lasse ich mich dann, bevor ich mich zum schlafen einrolle, streicheln und kraulen....mmmhhhh.
So, jetzt wünsche ich Euch noch einen schönen Tag und ein kuscheliges Wochenende,
Eure Reza
an diesem frischen, aber sonnigen Tag, der überdies verspricht, auch noch warm zu werden, worauf ich mich besonders freue, denn da ist es an meinen Lieblingsplätzen, und davon gibt es sehr viele, besonders warm und gemütlich. Überall weiche warme Decken, die Sonne scheint auf den Pelz, so manches Stäubchen tanzt im hell-goldenen Licht....einfach wunderbar.
Über eine gewisse Zeit mochte ich meinen Platz am Ostfenster überhaupt nicht mehr, denn da wurde ich immer beobachtet, egal, ob ich nun am offenen Fenster saß oder auf meiner Decke lag. Nebenan sind nämlich die Fenster eines Ballettsaals und da waren über einen gewissen Zeitraum auch immer junge Mädchen, die dort üben wollten. Als sie mich entdeckt haben, guckten sie immer zu mir herüber, oft machten sie auch die Fenster auf. Dann sprachen sie mit mir und wollten mich anlocken: "Ja, Katze, schöne Pussi, komm doch her...". Als ich so dumm wäre, von einem Fenster ins andere zu springen! Was dachten die eigentlich von mir?
Auf morgen freue ich mich schon. Da kommt mein Freund Maximilian, der Sohn meiner Halterin und der hat immer so richtig viel Zeit für mich. Da können wir ausgiebig toben und der nimmt es auch nicht krumm, wenn ich im Spieleeifer mal versehentlich die Krallen ausfahre. Aber es macht soviel Spaß mit ihm, der hat so richtig Geduld und später lasse ich mich dann, bevor ich mich zum schlafen einrolle, streicheln und kraulen....mmmhhhh.
So, jetzt wünsche ich Euch noch einen schönen Tag und ein kuscheliges Wochenende,
Eure Reza
Mein Lesetagebuch - Teil 1
Heute habe ich mit einem Buch der Bücherreihe, besser bekannt als "Der kleine Pitaval", begonnnen. Es ist zwar schon älter, außerdem der Bücherei entliehen, aber die einzelnen Fälle werden sehr sachlich, ausführlich und detailliert geschildert.
Meiner Meinung das Beste, was zu dem Thema auf dem Markt ist.
Dieses Buch trägt den Titel "Todesurteil" und behandelt Kriminalfälle, welche mit der Todesstrafe geahndet wurden oder auf Grund dessen die Todesstrafe eingeführt wurde.
Die einzelnen Fälle erzählen von Peter Kürten, der so bekannt ist, dass es keiner Schilderung bedarf.
Hugo Schenk war ein raffinierter Dienstbotenmörder im k.u.k. Österreich des 19. Jahrhunderts, der aber trotzdem ermittelt wurde.
Charley Ross ist das erste Opfer von Kidnapping in den USA.
Madame Steinheil stand im Verdacht ihren Mann ermordet zu haben, es konnte aber nichts bewiesen werden, ein Skandal im Paris des 19.Jahrhunderts.
Weitere Fälle behandeln Franz Salesius Riembauer und Helene Gillet.
Hier das dazugehörige Buch.
Meiner Meinung das Beste, was zu dem Thema auf dem Markt ist.
Dieses Buch trägt den Titel "Todesurteil" und behandelt Kriminalfälle, welche mit der Todesstrafe geahndet wurden oder auf Grund dessen die Todesstrafe eingeführt wurde.
Die einzelnen Fälle erzählen von Peter Kürten, der so bekannt ist, dass es keiner Schilderung bedarf.
Hugo Schenk war ein raffinierter Dienstbotenmörder im k.u.k. Österreich des 19. Jahrhunderts, der aber trotzdem ermittelt wurde.
Charley Ross ist das erste Opfer von Kidnapping in den USA.
Madame Steinheil stand im Verdacht ihren Mann ermordet zu haben, es konnte aber nichts bewiesen werden, ein Skandal im Paris des 19.Jahrhunderts.
Weitere Fälle behandeln Franz Salesius Riembauer und Helene Gillet.
Hier das dazugehörige Buch.
G. Mostar/ R. Stemmle (Hrsg.) - Kriminalreport: Todesstrafe
Die Herausgeber
Gerhart Herrmann Mostar (* 8. September 1901 in Gerbitz bei Bernburg (Saale); + 8. September 1973 in München) war ein deutscher Schriftsteller, der als Lyriker und Feuilletonist, zeitweise auch als Erzähler, Dramatiker und Kabarettist bekannt war. Berühmt wurde er als kritischer Gerichtsreporter.
Robert Adolf Ferdinand Stemmle (* 10. Juni 1903 in Magdeburg; + 24. Februar 1974 in Baden-Baden, auch kurz: R. A. Stemmle oder Robert A. Stemmle) war ein deutscher Autor, Regisseur und Produzent.
Pitaval - Erklärung
Ein Pitaval ist eine Sammlung von historischen Strafrechtsfällen. Der Name leitet sich ab von dem französischen Juristen und Autor François Gayot de Pitaval (1673–1743), der zwischen 1734 und 1743 eine zwanzigbändige Sammlung von causes célèbres et intéressantes zusammenstellte. Derartige Fallsammlungen dienten zunächst sowohl als juristische Fachlektüre als auch als allgemeine Publikumslektüre. Später zielten sie vor allem auf den Publikumsgeschmack ab.
Die Blütezeit dieser Literaturform war das 19. und der Beginn des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit gehörten sogenannte „Pitavalgeschichten“ in jede Bibliothek. In der Nachkriegszeit kam es zwar noch zu Veröffentlichungen derartiger Sammlungen, die frühere Bedeutung konnte jedoch nicht mehr erreicht werden. Stattdessen wurde die Funktion dieser Sammlungen durch Fernsehdokumentationen von mehr oder weniger authentischen Kriminalfällen übernommen.
Bekannte derartige Sammlungen von Kriminalfällen sind neben dem Werk von François Gayot de Pitaval etwa Paul Johann Anselm von Feuerbachs „Merkwürdige Rechtsfälle” 1808/11, „Der neue Pitaval“ von Julius Eduard Hitzig und Willibald Alexis (1842–1890), Egon Erwin Kischs „Prager Pitaval“ (1931), Herrmann Mostars und Robert Adolf Stemmles „Der neue Pitaval“ (1963 ff.), Maximilian Jactas Ende der 1960er / Anfang der 1970er-Jahre erschienenes mehrbändiges Werk Berühmte Strafprozesse und der von Curt Riess herausgegebene Band Prozesse, die unsere Welt bewegten. Bekannt ist auch die von Friedrich Schiller herausgegebene vierbändige Auswahl der von Pitaval zusammengestellten Fälle.
Das Buch
Einleitung – von Robert A. Stemmle
Über die Todesstrafe – von Gerhart H. Mostar
Das verschwundene Kind – der Fall Anna Böckler
Kindesraub in Germantown in Pennsylvanien – der Fall Charley Ross
Die Pompadour der Republik – der Fall Maguerite Steinheil
Der Dienstmädchenmörder von Wien – der Fall Hugo Schenk (mit dem Zusatz: Egon Kisch – eine Frau, die auf ihren Mörder wartet)
Die Kindesmörderin und die Scharfrichterin – der Fall Helene Gillet
Tartüff als Mörder – der Fall Salesius Riembauer
Vampir – der Fall Peter Kürten
Justizmord im Kleinstaat – der Fall Josef Jakubowski
Die falsche Glücksfee – der Fall Wilhelmine Krautz
Meine Meinung
Ich habe das Buch schon vor den Zeiten des Internets, das eine breitgefächerte Informationsplattform bietet, entdeckt und es seitdem immer wieder gelesen. Es mag zwar in der Bücherlandschaft etwas altmodisch wirken, überzeugt aber immer wieder durch seine farbige, spannende und informative Darstellung. Ein Buch, dass sich, nicht nur für den kriminalistisch Interessierten zu lesen unbedingt lohnt.
Donnerstag, 16. April 2015
Eco, Umberto - Der Name der Rose (Rezension)
Der Autor
Umberto Eco (* 5. Januar 1932 in Alessandria, Piemont) ist ein italienischer Schriftsteller, Kolumnist, Philosoph, Medienwissenschaftler der bekannteste zeitgenössische Semiotiker.
Seine Kindheit und Jugend verbrachte Eco als Sohn einer kleinbürgerlichen Familie – der Vater Giulio Eco war Buchhalter – in der südpiemontesischen Provinzhauptstadt Alessandria und deren Umgebung, die ihn stark geprägt haben.
1948 begann Eco – entgegen dem Wunsch seines Vaters, der ihn zu einer Karriere als Rechtsanwalt drängte – ein Studium der Philosophie und Literaturgeschichte an der Universität Turin, das er 1954 bei Luigi Pareyson mit einer Dissertation über die Ästhetik bei Thomas von Aquin abschloss. Danach ging er zu dem damals noch ganz jungen italienischen Fernsehen (RAI) in Mailand, wo er ein Kulturprogramm aufzubauen versuchte. 1956 erschien sein erstes Buch, eine erweiterte Fassung seiner Dissertation unter dem Titel Il problema estetico in San Tommaso („Das ästhetische Problem beim heiligen Thomas“). Drei Jahre später verließ Eco das Fernsehen und wurde Sachbuchlektor in dem Mailänder Verlag Bompiani, für den er bis 1975 tätig blieb (und in dem seither fast alle seine Bücher erschienen sind). Zugleich war er im Umfeld des Gruppo 63 aktiv, einer der literarischen Bewegung der Neoavanguardia zugerechneten Gruppierung. Mit dem 1962 erschienenen Buch Opera aperta (deutsch Das offene Kunstwerk, 1973) wurde er schlagartig als brillanter Kulturtheoretiker bekannt, der 1963 seine akademische Karriere als Dozent für Ästhetik und visuelle Kommunikation am Polytechnikum in Mailand begann, um sie über eine Zwischenstation an der Universität in Florenz schließlich an der ältesten Universität Europas in Bologna zu beenden. Sein schon 1968 (deutsch 1973) erschienenes Buch Einführung in die Semiotik gilt bis heute auch international als Standardwerk.
1975 erhielt er eine ordentliche Professur für Semiotik mit Lehrstuhl an der Universität Bologna. Seit 1999 leitete er die dortige Scuola Superiore di Studi Umanistici. Im Oktober 2007 zog er sich aus der aktiven Lehrtätigkeit zurück und ist seit 2008 Professor emeritus der Universität Bologna.
Eco erfuhr zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen sowohl gesellschaftlicher wie akademischer Art, darunter allein (bis 2014) von 39 Universitäten weltweit die Ehrendoktorwürde – in Deutschland von der FU Berlin 1998 – und die Mitgliedschaft des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste (1999) sowie das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2009).
Seit 1962 ist er mit Renate Ramge verheiratet, einer deutschen, in Frankfurt am Main geborenen Expertin für Museums- und Kunstdidaktik, mit der er einen Sohn und eine Tochter hat.
Das Buch (Inhaltsangabe)
Im November 1327 reist der englische Franziskaner William von Baskerville mit dem ihm anvertrauten Novizen Adson von Melk zu einer Benediktinerabtei im nördlichen Apennin ("etwa zwischen Pomposa und Conques"), wo er ein Kolloquium von Vertretern der Kurie und des Franziskaner-Ordens vorbereiten soll. Es geht um die Frage, ob die Kirche besser arm wäre – wie es die Spiritualen verlangen –, oder ob sie mit Macht und Reichtum prunken soll, wie es der in Avignon residierende Papst tut. Ludwig der Bayer stellt sich auf die Seite des Ordensgenerals Michael von Cesena, der die Position der Spiritualen vertritt und sich deshalb vor dem Papst verantworten soll. Damit unterstützt der 1324 vom Papst gebannte Wittelsbacher – der sich Anfang 1328 in Rom von "Volkskapitän" Sciarra Colonna zum Kaiser krönen lassen wird – nicht nur Gegner des Papstes, sondern auch Kritiker einer Kirche, die mit dem Kaiser um die weltliche Macht konkurriert.
In dem Kloster sterben innerhalb weniger Tage der Buch-Illustrator Adelmus von Otranto, der Übersetzer Venantius von Salvemec, der Bibliotheksgehilfe Berengar von Arundel, der Apotheker Severin von St. Emmeram und der Bibliothekar Malachias von Hildesheim. Abbo von Fossanova bittet den für seinen Scharfsinn bekannten Besucher, die Todesfälle aufzuklären. Assistiert von Adson sammelt William von Baskerville Indizien. Obwohl oder gerade weil ihnen der Zugang zur Klosterbibliothek verwehrt ist, vermuten sie dort schon bald den Schlüssel für die Lösung des Rätsels.
Inzwischen treffen die Disputanten ein, darunter der eitle, machtbesessene Inquisitor Bernard Gui, der gleich nach seiner Ankunft zwei Häretiker und ein von ihm als Hexe verdächtigtes Bauernmädchen aus dem nahen Dorf einsperren lässt.
Durch einen geheimen Zugang dringen William von Baskerville und Adson von Melk in das Labyrinth der geheimnisvollen Bibliothek vor, wo sie von dem blinden Greis Jorge von Burgos erwartet werden. Vor sich hat er einen Folianten liegen, eine Schrift Aristoteles' über das Lachen, von der es keine Abschrift gibt. Jorge hält den Inhalt des Buches für gefährlich, weil das Lachen die Furcht tötet und die Stellung der Kirche gefährdet. Um zu verhindern, dass jemand die Lektüre überlebt, hat er die unteren Ecken der Buchseiten mit einem starken Gift getränkt, dem die Mönche zum Opfer gefallen sind. William ahnt bereits die Zusammenhänge und trägt Handschuhe, damit er sich beim Umblättern nicht vergiftet. Als Jorge das merkt, reißt er das Buch an sich, löscht das Licht, stürzt davon, setzt die wertvolle Bibliothek in Brand und stirbt mit dem Folianten in den Armen, während William und Adson dem Feuer mit Mühe entkommen.
Die Abtei brennt mehrere Tage lang, das Feuer kann nicht gelöscht werden und mit dem Feuer, einem Weltenbrand vergleichbar, vergeht auch die wertvolle Bibliothek. William von Baskerville und Adson finden zwei Maultiere und reiten davon, William begleitet Adson bis zum Kloster Melk. Dort verabschiedet er sich von ihm und schenkt ihm die zweite Lesebrille.
Am Ende seines Lebens zieht Adson ein bitteres Resümee.
Meine Meinung
In dreißig Jahren habe ich das Buch etliche Male gelesen und es fasziniert mich immer noch.
Schon allein die Hauptfiuren, der typisch englisch-schwarzhumorige Bruder William und der jugendlich-unbeholfene Adlatus Adson sind wundervoll beschrieben:
William erscheint als moderner Mensch in einer noch hoffnungslos abergläubischen und unwissenschaftlich geprägten Welt; Adson stehen als jungem unerfahrenen Mönch dauernd Augen und Mund offen vor Staunen und auch vor Entsetzen.
Beide Hauptfiguren und all die anderen Akteure zeigen im Laufe der Geschichte Facetten und Abgründe, die an Lebendigkeit nicht mangeln lassen.
Thematisch fesselte mich der Krimiteil genauso wie das innerabteiische Intrigen- und Machtspiel, der trockenen Wortkrieg um die Frage ob denn nun der Erlöser Geld, bzw. einen Geldbeutel, besass - und damit im Nachhinein seine Vertreter berechtigt seien, Reichtum und Land zu scheffeln und der Völlerei zu frönen, haarsträubend und entsetzlich die Verhörszenen mit Bernard Gui.
Und die kleine Liebesgeschichte, unerwartet, spontan, ist zwar herzerweichend, aber hoffnungslos.
Und dann gibt es noch jenes geheimnisvolle Buch, das immer nur scheinbar schemenhaft existiert und das offensichtlich "Sprengstoff" enthält. Mönche, die es in die Hand bekommen, sterben oder werden getötet, es hat wahrhaftig die "Kraft von tausend Scorpionen".
Auch fesselnd in ihrer ganzen Bösartigkeit: die Gestalt des blinden Mönchs Jorge von Burgos. Schon als junger Mann möchte er Karriere machen, er möchte Bibliothekar werden, denn am Ende dieser Laufbahn steht der Posten als Abt. Er findet, nachdem man ihn ihn seine Heimat Spanien geschickt hat, die schönsten Codizes, die ihm den Posten des Bibliothekars einbringen. Und auf seiner Reise hat er noch etwas gefunden: die letzte Abschrift der Poetik des Aristoteles. Er erkennt, dass das Thema des Buches, das Lachen, die Furcht ablösen würde und nicht nur das: das Buch ermöglicht eigenständiges Denken, Freiheit. Jorge ist im Grunde seines Herzens ein Diktator, nicht christlich, nicht barmherzig, nicht einmal menschlich, und herrscht über dreißig Jahre durch Strohmänner über die Abtei und ihre kostbaren Bücher. Es ist nur richtig, dass die Bibliothek verbrennt (mein Herz blutet trotzdem dabei!) und Jorge stirbt, aber nur so kann Platz für Neues entstehen.
Außerdem entwirft Eco das Bild eines von fanatischer Religiosität, erbitterten Glaubens- und Machtkonflikten, abgrundtiefem Aberglauben und brutalen Kriegen zerrissenen Europas des Spätmittelalters, ergründet den Gegensatz von Kaisertum und Heiligem Stuhl ebenso wie die Wurzeln der kommenden Religionskriege und des Beginns der Renaissance. Dies alles geschieht in einer sprachlich schillernden Manier, dass man sich selbst wie magisch in das 14. Jahrhundert gezogen fühlt, dass man das Mittelalter zu riechen, schmecken, fühlen und hören glaubt...
Das alles macht "Der Name der Rose" zu einem der tiefgründigsten Romane und er zählt eindeutig zu den Klassikern der Weltliteratur.
Umberto Eco (* 5. Januar 1932 in Alessandria, Piemont) ist ein italienischer Schriftsteller, Kolumnist, Philosoph, Medienwissenschaftler der bekannteste zeitgenössische Semiotiker.
Seine Kindheit und Jugend verbrachte Eco als Sohn einer kleinbürgerlichen Familie – der Vater Giulio Eco war Buchhalter – in der südpiemontesischen Provinzhauptstadt Alessandria und deren Umgebung, die ihn stark geprägt haben.
1948 begann Eco – entgegen dem Wunsch seines Vaters, der ihn zu einer Karriere als Rechtsanwalt drängte – ein Studium der Philosophie und Literaturgeschichte an der Universität Turin, das er 1954 bei Luigi Pareyson mit einer Dissertation über die Ästhetik bei Thomas von Aquin abschloss. Danach ging er zu dem damals noch ganz jungen italienischen Fernsehen (RAI) in Mailand, wo er ein Kulturprogramm aufzubauen versuchte. 1956 erschien sein erstes Buch, eine erweiterte Fassung seiner Dissertation unter dem Titel Il problema estetico in San Tommaso („Das ästhetische Problem beim heiligen Thomas“). Drei Jahre später verließ Eco das Fernsehen und wurde Sachbuchlektor in dem Mailänder Verlag Bompiani, für den er bis 1975 tätig blieb (und in dem seither fast alle seine Bücher erschienen sind). Zugleich war er im Umfeld des Gruppo 63 aktiv, einer der literarischen Bewegung der Neoavanguardia zugerechneten Gruppierung. Mit dem 1962 erschienenen Buch Opera aperta (deutsch Das offene Kunstwerk, 1973) wurde er schlagartig als brillanter Kulturtheoretiker bekannt, der 1963 seine akademische Karriere als Dozent für Ästhetik und visuelle Kommunikation am Polytechnikum in Mailand begann, um sie über eine Zwischenstation an der Universität in Florenz schließlich an der ältesten Universität Europas in Bologna zu beenden. Sein schon 1968 (deutsch 1973) erschienenes Buch Einführung in die Semiotik gilt bis heute auch international als Standardwerk.
1975 erhielt er eine ordentliche Professur für Semiotik mit Lehrstuhl an der Universität Bologna. Seit 1999 leitete er die dortige Scuola Superiore di Studi Umanistici. Im Oktober 2007 zog er sich aus der aktiven Lehrtätigkeit zurück und ist seit 2008 Professor emeritus der Universität Bologna.
Eco erfuhr zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen sowohl gesellschaftlicher wie akademischer Art, darunter allein (bis 2014) von 39 Universitäten weltweit die Ehrendoktorwürde – in Deutschland von der FU Berlin 1998 – und die Mitgliedschaft des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste (1999) sowie das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2009).
Seit 1962 ist er mit Renate Ramge verheiratet, einer deutschen, in Frankfurt am Main geborenen Expertin für Museums- und Kunstdidaktik, mit der er einen Sohn und eine Tochter hat.
Das Buch (Inhaltsangabe)
Im November 1327 reist der englische Franziskaner William von Baskerville mit dem ihm anvertrauten Novizen Adson von Melk zu einer Benediktinerabtei im nördlichen Apennin ("etwa zwischen Pomposa und Conques"), wo er ein Kolloquium von Vertretern der Kurie und des Franziskaner-Ordens vorbereiten soll. Es geht um die Frage, ob die Kirche besser arm wäre – wie es die Spiritualen verlangen –, oder ob sie mit Macht und Reichtum prunken soll, wie es der in Avignon residierende Papst tut. Ludwig der Bayer stellt sich auf die Seite des Ordensgenerals Michael von Cesena, der die Position der Spiritualen vertritt und sich deshalb vor dem Papst verantworten soll. Damit unterstützt der 1324 vom Papst gebannte Wittelsbacher – der sich Anfang 1328 in Rom von "Volkskapitän" Sciarra Colonna zum Kaiser krönen lassen wird – nicht nur Gegner des Papstes, sondern auch Kritiker einer Kirche, die mit dem Kaiser um die weltliche Macht konkurriert.
In dem Kloster sterben innerhalb weniger Tage der Buch-Illustrator Adelmus von Otranto, der Übersetzer Venantius von Salvemec, der Bibliotheksgehilfe Berengar von Arundel, der Apotheker Severin von St. Emmeram und der Bibliothekar Malachias von Hildesheim. Abbo von Fossanova bittet den für seinen Scharfsinn bekannten Besucher, die Todesfälle aufzuklären. Assistiert von Adson sammelt William von Baskerville Indizien. Obwohl oder gerade weil ihnen der Zugang zur Klosterbibliothek verwehrt ist, vermuten sie dort schon bald den Schlüssel für die Lösung des Rätsels.
Inzwischen treffen die Disputanten ein, darunter der eitle, machtbesessene Inquisitor Bernard Gui, der gleich nach seiner Ankunft zwei Häretiker und ein von ihm als Hexe verdächtigtes Bauernmädchen aus dem nahen Dorf einsperren lässt.
Durch einen geheimen Zugang dringen William von Baskerville und Adson von Melk in das Labyrinth der geheimnisvollen Bibliothek vor, wo sie von dem blinden Greis Jorge von Burgos erwartet werden. Vor sich hat er einen Folianten liegen, eine Schrift Aristoteles' über das Lachen, von der es keine Abschrift gibt. Jorge hält den Inhalt des Buches für gefährlich, weil das Lachen die Furcht tötet und die Stellung der Kirche gefährdet. Um zu verhindern, dass jemand die Lektüre überlebt, hat er die unteren Ecken der Buchseiten mit einem starken Gift getränkt, dem die Mönche zum Opfer gefallen sind. William ahnt bereits die Zusammenhänge und trägt Handschuhe, damit er sich beim Umblättern nicht vergiftet. Als Jorge das merkt, reißt er das Buch an sich, löscht das Licht, stürzt davon, setzt die wertvolle Bibliothek in Brand und stirbt mit dem Folianten in den Armen, während William und Adson dem Feuer mit Mühe entkommen.
Die Abtei brennt mehrere Tage lang, das Feuer kann nicht gelöscht werden und mit dem Feuer, einem Weltenbrand vergleichbar, vergeht auch die wertvolle Bibliothek. William von Baskerville und Adson finden zwei Maultiere und reiten davon, William begleitet Adson bis zum Kloster Melk. Dort verabschiedet er sich von ihm und schenkt ihm die zweite Lesebrille.
Am Ende seines Lebens zieht Adson ein bitteres Resümee.
Meine Meinung
In dreißig Jahren habe ich das Buch etliche Male gelesen und es fasziniert mich immer noch.
Schon allein die Hauptfiuren, der typisch englisch-schwarzhumorige Bruder William und der jugendlich-unbeholfene Adlatus Adson sind wundervoll beschrieben:
William erscheint als moderner Mensch in einer noch hoffnungslos abergläubischen und unwissenschaftlich geprägten Welt; Adson stehen als jungem unerfahrenen Mönch dauernd Augen und Mund offen vor Staunen und auch vor Entsetzen.
Beide Hauptfiguren und all die anderen Akteure zeigen im Laufe der Geschichte Facetten und Abgründe, die an Lebendigkeit nicht mangeln lassen.
Thematisch fesselte mich der Krimiteil genauso wie das innerabteiische Intrigen- und Machtspiel, der trockenen Wortkrieg um die Frage ob denn nun der Erlöser Geld, bzw. einen Geldbeutel, besass - und damit im Nachhinein seine Vertreter berechtigt seien, Reichtum und Land zu scheffeln und der Völlerei zu frönen, haarsträubend und entsetzlich die Verhörszenen mit Bernard Gui.
Und die kleine Liebesgeschichte, unerwartet, spontan, ist zwar herzerweichend, aber hoffnungslos.
Und dann gibt es noch jenes geheimnisvolle Buch, das immer nur scheinbar schemenhaft existiert und das offensichtlich "Sprengstoff" enthält. Mönche, die es in die Hand bekommen, sterben oder werden getötet, es hat wahrhaftig die "Kraft von tausend Scorpionen".
Auch fesselnd in ihrer ganzen Bösartigkeit: die Gestalt des blinden Mönchs Jorge von Burgos. Schon als junger Mann möchte er Karriere machen, er möchte Bibliothekar werden, denn am Ende dieser Laufbahn steht der Posten als Abt. Er findet, nachdem man ihn ihn seine Heimat Spanien geschickt hat, die schönsten Codizes, die ihm den Posten des Bibliothekars einbringen. Und auf seiner Reise hat er noch etwas gefunden: die letzte Abschrift der Poetik des Aristoteles. Er erkennt, dass das Thema des Buches, das Lachen, die Furcht ablösen würde und nicht nur das: das Buch ermöglicht eigenständiges Denken, Freiheit. Jorge ist im Grunde seines Herzens ein Diktator, nicht christlich, nicht barmherzig, nicht einmal menschlich, und herrscht über dreißig Jahre durch Strohmänner über die Abtei und ihre kostbaren Bücher. Es ist nur richtig, dass die Bibliothek verbrennt (mein Herz blutet trotzdem dabei!) und Jorge stirbt, aber nur so kann Platz für Neues entstehen.
Außerdem entwirft Eco das Bild eines von fanatischer Religiosität, erbitterten Glaubens- und Machtkonflikten, abgrundtiefem Aberglauben und brutalen Kriegen zerrissenen Europas des Spätmittelalters, ergründet den Gegensatz von Kaisertum und Heiligem Stuhl ebenso wie die Wurzeln der kommenden Religionskriege und des Beginns der Renaissance. Dies alles geschieht in einer sprachlich schillernden Manier, dass man sich selbst wie magisch in das 14. Jahrhundert gezogen fühlt, dass man das Mittelalter zu riechen, schmecken, fühlen und hören glaubt...
Das alles macht "Der Name der Rose" zu einem der tiefgründigsten Romane und er zählt eindeutig zu den Klassikern der Weltliteratur.
Urlaubserlebnisse mit Opa - Teil 3
Ich hatte schon geschrieben, dass mein Opa ein Mensch war, der eigentlich in keiner Situation verlegen wurde. Heute möchte ich eine weitere Geschichte zum besten geben .
Wir, das heißt diesmal die ganze Familie, waren auf der Rückfahrt vom Urlaub, verteilt auf zwei Autos. Es verlief alles ganz entspannt, bis etwa 20 km vor unserem Heimatort mein Opa, der hinter uns fuhr, Lichtzeichen und Hupe gab. Mein Vater hielt an, was war los? Kaum war mein Vater aus seinem Auto ausgestiegen, lief schon meine Oma, die aus Opas angehaltenen Auto schier herausgesprungen war, zu meinem Vater. Aufgeregt meinte sie, sie würde in Opas Auto keinen Meter mehr mitfahren. Was war denn nun passiert? Aus dem Motor von Opas Auto tropfte Wasser, war der der Kühler kaputt? Nein, der Kühler war es nicht, aber dafür hatte so eine Art Ausgleichsbehälter, so genau weiß ich das heute auch nicht mehr, ein dicken Riß, aus dem das Wasser herausronn. Mein Vater meinte, er würde vorausfahren, den Abschleppdienst informieren, aber Opa sagte, er würde immer wieder Wasser nachfüllen, die paar Kilometer nach Hause würde er auch noch schaffen. Um zu unterstreichen, wie ernst er es meinte. holte er aus dem Kofferraum eine Gießkannne: ja, der Kofferraum war legendär. Denn dort fand sich neben Regenschirm und Toilettenpapier auch immer eine Gießkanne, eine große Decke und zwei kleine Klappstühle.
Kurz und gut: meine Oma weigerte sich aber, bei meinem Opa im Auto zu sitzen und das Auto meines Vaters, seinerzeit ein R4, bot für fünf Leute nicht mehr genügend Platz. Was nun tun? Ich, neugierig, bot an, bei Opa mitzufahren, zudem ja jemand die gefüllte Gießkanne halten mußte, sollte sie nicht ständig umfallen. Oma war froh, meinen Platz einnehmen zu drüfen und mein Vater füllte Opas Gießkanne am Brunnen eine Bauernhauses, wir fuhren ja Nebenstrecke, durch die Pampa, auf und los ging´s. Bald hatten wir das Auto meines Vaters aus den Augenverloren und zockelten gemütlich dahin; alle paar Kilometer füllte mein Opa in den Ausgleichsbehälter Wasser aus der Gießkanne nach. Opa und ich lachten, fuhren wir jetzt doch nicht mehr mit einem Auto, sondern mit einem Dampfzug!
Mein Vater dagegen hatte weniger zu lachen, denn meiner Oma fiel nun ein, was Opa und mir alles passieren könnte: wir blieben stehen, das war noch das Wenigste, dann explodierte das Auto, Opa und ich waren nun bei den Engeln, lagen auf dem Seziertisch, usw.. Mein Vater, normalerweise ein ruhiger Mensch, den nichts so schnell aufregen konnte, bis heute nicht, bot meiner Oma schließlich eine "Nachlaufkarte" an, wollte heißen, wenn sie ihn noch weiter aufrege, müsse sie nach Hause laufen. Da grummelte meine Oma nur noch in sich hinein.
Kurz und gut: Opa und ich kamen wohlbehalten zu Hause an. Als Oma uns sah, wurde sie sehr wütend, und anstatt froh zu sein, uns zu sehen, wollte sie mit Opa, als er ausgestiegen war, Streit anfangen, doch da ging mein Vater dazwischen. In der Werkstatt erfuhr dann mein Opa, dass dieser Ausgleichsbehälter, oder was immer es war, einen Materialfehler gehabt hatte und er für den Riß gar nichts gekonnt hatte.
Wir, das heißt diesmal die ganze Familie, waren auf der Rückfahrt vom Urlaub, verteilt auf zwei Autos. Es verlief alles ganz entspannt, bis etwa 20 km vor unserem Heimatort mein Opa, der hinter uns fuhr, Lichtzeichen und Hupe gab. Mein Vater hielt an, was war los? Kaum war mein Vater aus seinem Auto ausgestiegen, lief schon meine Oma, die aus Opas angehaltenen Auto schier herausgesprungen war, zu meinem Vater. Aufgeregt meinte sie, sie würde in Opas Auto keinen Meter mehr mitfahren. Was war denn nun passiert? Aus dem Motor von Opas Auto tropfte Wasser, war der der Kühler kaputt? Nein, der Kühler war es nicht, aber dafür hatte so eine Art Ausgleichsbehälter, so genau weiß ich das heute auch nicht mehr, ein dicken Riß, aus dem das Wasser herausronn. Mein Vater meinte, er würde vorausfahren, den Abschleppdienst informieren, aber Opa sagte, er würde immer wieder Wasser nachfüllen, die paar Kilometer nach Hause würde er auch noch schaffen. Um zu unterstreichen, wie ernst er es meinte. holte er aus dem Kofferraum eine Gießkannne: ja, der Kofferraum war legendär. Denn dort fand sich neben Regenschirm und Toilettenpapier auch immer eine Gießkanne, eine große Decke und zwei kleine Klappstühle.
Kurz und gut: meine Oma weigerte sich aber, bei meinem Opa im Auto zu sitzen und das Auto meines Vaters, seinerzeit ein R4, bot für fünf Leute nicht mehr genügend Platz. Was nun tun? Ich, neugierig, bot an, bei Opa mitzufahren, zudem ja jemand die gefüllte Gießkanne halten mußte, sollte sie nicht ständig umfallen. Oma war froh, meinen Platz einnehmen zu drüfen und mein Vater füllte Opas Gießkanne am Brunnen eine Bauernhauses, wir fuhren ja Nebenstrecke, durch die Pampa, auf und los ging´s. Bald hatten wir das Auto meines Vaters aus den Augenverloren und zockelten gemütlich dahin; alle paar Kilometer füllte mein Opa in den Ausgleichsbehälter Wasser aus der Gießkanne nach. Opa und ich lachten, fuhren wir jetzt doch nicht mehr mit einem Auto, sondern mit einem Dampfzug!
Mein Vater dagegen hatte weniger zu lachen, denn meiner Oma fiel nun ein, was Opa und mir alles passieren könnte: wir blieben stehen, das war noch das Wenigste, dann explodierte das Auto, Opa und ich waren nun bei den Engeln, lagen auf dem Seziertisch, usw.. Mein Vater, normalerweise ein ruhiger Mensch, den nichts so schnell aufregen konnte, bis heute nicht, bot meiner Oma schließlich eine "Nachlaufkarte" an, wollte heißen, wenn sie ihn noch weiter aufrege, müsse sie nach Hause laufen. Da grummelte meine Oma nur noch in sich hinein.
Kurz und gut: Opa und ich kamen wohlbehalten zu Hause an. Als Oma uns sah, wurde sie sehr wütend, und anstatt froh zu sein, uns zu sehen, wollte sie mit Opa, als er ausgestiegen war, Streit anfangen, doch da ging mein Vater dazwischen. In der Werkstatt erfuhr dann mein Opa, dass dieser Ausgleichsbehälter, oder was immer es war, einen Materialfehler gehabt hatte und er für den Riß gar nichts gekonnt hatte.
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