Der Autor
John Knittel wurde am 24.03.1891 in Dharwar/ Indien geboren.
Er war der Sohn des württ. Missionars Hermann Knittel der für die Basler Mission tätig war.
1895 kehrte die Familie in die Schweiz zurück, in Basel erhielt die Familie das Schweizer Bürgerrecht.
John besuchte zunächst das Gymnasium, später die Handelsschule.
1908 übersiedlte er nach London, war Bankangestellter der Credit Lyonais, Filmproduzent und Teilhaber eines Theaters. Hier lernte er auch seine spätere Frau Frances kennen.
1915 heiratete er Frances gegen den Willen seiner Eltern, aus der Ehe gingen 3 Kinder hervor.
Während dieser Zeit lernte er den englischen Schriftsteller Hichens kennen, der sein literrarisches Talnet erkannte und ihn zum Schreiben ermutigte. Knittels erster Roman, "Die Reisen des Aaron West" wurde ein literarischer und finanzieller Erfolg.
In der Folgezeit schrieb Knittel weitere Gesellschaftsromane, vorwiegend auf Englisch.
1921 übersiedelte der mit seiner Familie und Hichens an den Genfer See. Reisen nach Ägypten, Algerien und Tunesien folgten. Dabei unterstützte Knittel ein humanitäres Schweizer Projekt, um die lage der Fellachen zu verbessern.
1938 übersiedelte Knittel nach Maienfeld/Graubünden und war weiterhin erfolgreich schriftstellerisch tätig.
Er starb am 26.04. 1970 in Maienfeld.
Der Roman
Via Mala ist zum einen eine Schlucht in Graubünden, zum anderen ein Synonym für "schlechter Weg" der immer wieder begangen wird.
Da ist Jonas Lauretz, ein Sägemüller, der in der winterlichen Bergeinsamkeit, nachhängend der Vergangenheit, zum Säufer und Gewalttäter geworden ist.
Brutal tyrannisiert er seine Familie (Ehefrau, die Töchter Hanna und Silvia, die Söhne Nikolaus und Sepp (schwer geistig behindert, auch Mannli genannt)), an Leib und Seele. Er wird sogar zum Mörder an seinen neugeborenen Zwillingstöchtern.
Er fügt seiner Familie eine erneute Demütigung zu, indem er seine Geliebte mit seinen unehelichen Kindern im "Winterhäuschen" wohnen läßt, welches doch dafür gedacht ist, dass die Familie den Winter über in der Nähe des Städchen Andruss leben kann.
Eine viermonatige Haftstrafe, ausgesprochen wegen verschiedener Vergehen, bringt ihn nicht zur Vernunft, im Gegenteil! Als er nach der Rückkehr zu seiner Familie erfährt, das seine Tochter Silvia von einem Maler, dem sie Magd, Vertraute und Modell gewesen war, Geld geerbt hat, fährt er nach Zürich um dieses Geld an sich zu bringen.
Silvia fährt ihm nach Zürich nach und erfährt, dass er das ganze Geld, sie ist noch minderjährig, an sich genommen hat.Sie fährt erst am anderen Morgen zurück.
In der Zwischenzeit überlegt der Rest der Familie zusammen mit dem Tagelöhner Wagner, dem Lauretz Geld schuldet, als auch den Tod dessen Frau verschuldet hat, was nun zu tun sein. Sie alle wissen: das Geld kommt nicht der Sägemühle zugute, sondern wird wieder sinnlos ausgegeben werden, es wird sich nichts ändern. Der Mordplan reift und wird noch in derselben Nacht, Lauretz ist sturzbetrunken nach Hause gekommen, ausgeführt. Seine Leiche wird verscharrt, Wagner erhält Geld und verläßt die Gegend.
Silvia erfährt die ganze Geschichte und erklärt sich mit ihrer Familie solidarisch. Sie belügt wie alle anderen die Polizei. Die folgenden Jahre der Familie sind erfüllt von der Angst der Entdeckung des Mordes, aber auch von Fleiß, der das Ansehen der Familie wieder herstellt.
Doch Silvia verleibt sich in Andreas von Richenau, einen Untersuchungsrichter. Sie heiraten, doch auf der Ehe liegt der Schatten der Angst und der Depressionen von Silvia.
Da landet die "Akte Lauretz" auf dem Schreibtisch von Andreas, da die Angehörigen geraume Zeit zuvor eine Verschollenheitserklärung beantragt hatten ( in Hauptsache wegen geschäftlicher Dinge). Er entdeckt Ungereimtheiten und setzt Silvia unter Druck. Sie flieht zu ihrer Familie. Dort erfährt Andreas von Hanna und Nikolaus die ganze Wahrheit und das unmenschliche Ausmaß des Elends.
Andreas deckt, entgegen seiner Berufsethik und mit persönlichem Risiko, den Mord und läßt die Akte schließen: die Verschollenheitserklärung wird unterzeichnet.
Der Roman galt übrigens als umstritten, da die Selbstjustiz im Vordergrund steht, nicht die Justiz durch die Behörden.
Historischer Hintergrund
Den Hintergrund bildet ein 1817 verübter Vatermord in Obermühle/Franken.
Meine Meinung
Der Roman ist ungemein farbig und spannend geschildert. Der Sägemüller, widerlich und ekelhaft, scheint alles tun zu dürfen. Keiner, auch nicht die Behörden, sehen auch nur ansatzweise genau hin und lassen sich von seinen Ausreden abspeisen. Schon zu Anfang des Romans habe ich mir gewünscht, er möge doch in diese Schlucht fallen und von den Wassern auf und davon getragen werden.
Als er dann ermordet wird, habe ich kein Mitleid mit ihm. Denn wie er sich verhalten hat, so verhält sich kein Tier, so kann es nur die Bestie Mensch.
Mitfiebernd und bangend habe ich weitergelesen, bis dann, endlich, die Verschollenheitsakte unterzeichnet ist.
Ich kann diesen Roman nur empfehlen, denn er zeigt die Abgründe der menschlichen Seele, die persönliche "Via Mala".
Die bunte Welt von "BDB"? Ganz einfach: Brigitte Deininger Bayern! Da Romane und Sachliteratur, gepaart mit eigenen Geschichten und Abhandlungen immer mein Steckenpferd waren, freue ich mich, manches den geneigten Lesern öffentlich machen zu können. Ich wünsche ein reiches Lesevergnügen und spannende Lesemomente!
Sonntag, 5. April 2015
Kirchschlager, Michael - Der Mädchenmörder Hugo Schenk (Rezension)
Der Autor, Michael Kirchschlager, wurde am 23.04.1966 in Staßfurt geboren.
Nach seinem Abitur 1984 studierte er Germanistik und Geschichte.
Er ist Gründungsmitglied des Runneburgvereins, des größten historischen Vereins in Thüringen.
Er ist Herausgeber und Besitzer des Kirchschlager - Verlags.
Der Mädchenmörder Hugo Schenk - Österreichs große Kriminalfälle
Die Titelgeschichte des ersten Bandes der "Historischen Kriminalbibliothek" widmet sich demMädchenmörder Hugo Schenk , der 1883 in Wien und Österreich mit seinen Komplizen Karl Schenk und Karl Schlossarek Dienstmädchen anlockte und anschließend bestialisch ermordete. Doch die k.u.k. Kriminalpolizei ermittelte das Trio. Die Drei wurden vor Gericht gestellt und zum Tode durch den Strang verurteilt; das Urteil wurde jedoch nur an Schlossarek und Hugo Schenk vollzogen, Karl Schenk zu lebenslangem schwerem Kerker verurteilt.
Das zweite Kapitel erzählt vom Raubmörder Severin Jaroszynski (1827), das getreu den alten Akten nacherzählt wird. Psychologisch interessant ist, dass der Mörder während der Verhöre den Namen seines Opfers nicht aussprechen konnte.
Das dritte Kapitel gibt ein erschreckendes Beispiel, wie Eltern aus Geldgier selbst das Leben ihrer Kinder opfern.Davon erzählt die Geschichte der Giftmörderin Therese Braun (1859), die leider des Mordes nicht überführt werden konnte.
Im Kapitel vier wird der Briefdieb Karl Kalab (1862) vorgestellt. Er unterschlug jahrelang eine Unmenge von Briefen, um deren Inhalt, hauptsächlich Geld, zu rauben, um später ein sorgenfreies bequemes leben führen zu können. Der Fall sorgte seinerzeit für Aufsehen und diese Art der Unterschlagung lebt im Wort "kalabisieren" fort.
Das fünfte Kapitel erzählt das unheimliche Verbrechen an Dr. Anna Stein (1926), ein Mord, aus Gier und Rache verübt, der an Scheußlichkeit nicht zu überbieten ist.
Fazit
Ich kann das Buch jedem, der sich für ältere Kriminalfälle und die Rechtssprechung interessiert, sehr empfehlen.
Die Kapitel sind sorgfältig recherchiert und sachlich aufgebaut; eine gute Ergänzung sind Bilder und Fotos.
Das Literaturverzeichnis wird durch Worterklärungen ergänzt.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, es war flüssig zu lesen, der Informationsfluß gleichmäßig.
Autor: Michael Kirchschlager
Verlag: Verlag Kirchschlager
ISBN: 978-3-934277-15-1
Nach seinem Abitur 1984 studierte er Germanistik und Geschichte.
Er ist Gründungsmitglied des Runneburgvereins, des größten historischen Vereins in Thüringen.
Er ist Herausgeber und Besitzer des Kirchschlager - Verlags.
Der Mädchenmörder Hugo Schenk - Österreichs große Kriminalfälle
Die Titelgeschichte des ersten Bandes der "Historischen Kriminalbibliothek" widmet sich demMädchenmörder Hugo Schenk , der 1883 in Wien und Österreich mit seinen Komplizen Karl Schenk und Karl Schlossarek Dienstmädchen anlockte und anschließend bestialisch ermordete. Doch die k.u.k. Kriminalpolizei ermittelte das Trio. Die Drei wurden vor Gericht gestellt und zum Tode durch den Strang verurteilt; das Urteil wurde jedoch nur an Schlossarek und Hugo Schenk vollzogen, Karl Schenk zu lebenslangem schwerem Kerker verurteilt.
Das zweite Kapitel erzählt vom Raubmörder Severin Jaroszynski (1827), das getreu den alten Akten nacherzählt wird. Psychologisch interessant ist, dass der Mörder während der Verhöre den Namen seines Opfers nicht aussprechen konnte.
Das dritte Kapitel gibt ein erschreckendes Beispiel, wie Eltern aus Geldgier selbst das Leben ihrer Kinder opfern.Davon erzählt die Geschichte der Giftmörderin Therese Braun (1859), die leider des Mordes nicht überführt werden konnte.
Im Kapitel vier wird der Briefdieb Karl Kalab (1862) vorgestellt. Er unterschlug jahrelang eine Unmenge von Briefen, um deren Inhalt, hauptsächlich Geld, zu rauben, um später ein sorgenfreies bequemes leben führen zu können. Der Fall sorgte seinerzeit für Aufsehen und diese Art der Unterschlagung lebt im Wort "kalabisieren" fort.
Das fünfte Kapitel erzählt das unheimliche Verbrechen an Dr. Anna Stein (1926), ein Mord, aus Gier und Rache verübt, der an Scheußlichkeit nicht zu überbieten ist.
Fazit
Ich kann das Buch jedem, der sich für ältere Kriminalfälle und die Rechtssprechung interessiert, sehr empfehlen.
Die Kapitel sind sorgfältig recherchiert und sachlich aufgebaut; eine gute Ergänzung sind Bilder und Fotos.
Das Literaturverzeichnis wird durch Worterklärungen ergänzt.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, es war flüssig zu lesen, der Informationsfluß gleichmäßig.
Autor: Michael Kirchschlager
Verlag: Verlag Kirchschlager
ISBN: 978-3-934277-15-1
Wimschneider, Anna - Herbstmilch (Rezension)
Anna Wimschneider wurde am 16. Juni 1919 in Pfarrkirchen/Niederbayern geboren. Sie war das vierte von neun Kindern.
Als ihre Mutter im Kindbett starb war sie gerade acht Jahre alt. Ungeachtet der Tatsache, dass sie noch ein Kind war, mußte sie, da sie das älteste Mädchen war, den Haushalt auf dem Bauernhof übernehmen und für die Großfamilie sorgen.
1939 heiratete sie den Landwirt Albert Wimschneier, der bald zum Militär eingezogen wurde.
Sie führte in der Zeit zwischen 1939 und 1945 die Landwirtschaft alleine und versorgte außerdem noch vier angeheiratete alte Verwandte.
In dieser Zeit brachte sie außerdem zwei ihrer drei Töchter auf die Welt.
1945 kehrte ihr Mann schwer verwundet aus dem Weltkrieg zurück.
Bis in die achziger Jahre führten sie die Landwirtschaft gemeinsam, dann wurde der Hof aufgegeben.
Anna Wimschneider erhielt als Auszeichnungen den Bayrischen Poetentaler und das Bundesverdienstkreuz.
Sie starb am 1. Januar 1993 in Pfarrkirchen.
Herbstmilch
In diesem Buch schildert Anna Wimschneider in einfacher Erzählweise ihr persönliches Leben und die harte Arbeit auf einem Bauernhof bis weit in die fünziger Jahre hinein.
Sie beginnt die Erzählung kurz vor er letzten Niederkunft ihrer Mutter, schildert ihr Leiden und Sterben im Kindbett: sie verblutet, doch das Neugeborene überlebt.
Der Vater holt sich zweimal eine Wirtschafterin ins Haus, doch die scheuen die schwere Arbeit und bestehlen außerdem den Bauern.
Die Arbeit bleibt bei Anna, der aber doch immer einmal wieder von einer Nachbarin, vor allem bei der Wäsche.
Anna lernt mit knapp achtzehn Jahren Albett Wimschneider kennen und verliebt sich. Der Vater will Anna nicht gerne gehen lassen, doch Anna setzt sich durch.
Sie ist bei der neuen Familie nicht gerne gesehen, vor allem bei den vier alten Verwandten. Doch Anna, als resolute Frau, läßt sich nicht beeindrucken und führt Landwirtschaft und Haushalt bis zur Heimkehr ihres Mannes.
Nach dem Krieg bauen sie die Landwirtschaft und modernisieren sie. Später wird der Hof aufgegeben ,weil keine der drei Töchter die Landwirtschaft weiterführen möchte.
Meinung
Mir hat das Buch gut gefallen, weil es in ungeschminkter Weise, und so gar nicht romantisch, den harten Alltag einer Bäuerin in ungekünstelter Weise schildert.
Das Buch ist im Handel unter der ISBN 3 - 8225 - 0636 - 2 erhältlich.
Als ihre Mutter im Kindbett starb war sie gerade acht Jahre alt. Ungeachtet der Tatsache, dass sie noch ein Kind war, mußte sie, da sie das älteste Mädchen war, den Haushalt auf dem Bauernhof übernehmen und für die Großfamilie sorgen.
1939 heiratete sie den Landwirt Albert Wimschneier, der bald zum Militär eingezogen wurde.
Sie führte in der Zeit zwischen 1939 und 1945 die Landwirtschaft alleine und versorgte außerdem noch vier angeheiratete alte Verwandte.
In dieser Zeit brachte sie außerdem zwei ihrer drei Töchter auf die Welt.
1945 kehrte ihr Mann schwer verwundet aus dem Weltkrieg zurück.
Bis in die achziger Jahre führten sie die Landwirtschaft gemeinsam, dann wurde der Hof aufgegeben.
Anna Wimschneider erhielt als Auszeichnungen den Bayrischen Poetentaler und das Bundesverdienstkreuz.
Sie starb am 1. Januar 1993 in Pfarrkirchen.
Herbstmilch
In diesem Buch schildert Anna Wimschneider in einfacher Erzählweise ihr persönliches Leben und die harte Arbeit auf einem Bauernhof bis weit in die fünziger Jahre hinein.
Sie beginnt die Erzählung kurz vor er letzten Niederkunft ihrer Mutter, schildert ihr Leiden und Sterben im Kindbett: sie verblutet, doch das Neugeborene überlebt.
Der Vater holt sich zweimal eine Wirtschafterin ins Haus, doch die scheuen die schwere Arbeit und bestehlen außerdem den Bauern.
Die Arbeit bleibt bei Anna, der aber doch immer einmal wieder von einer Nachbarin, vor allem bei der Wäsche.
Anna lernt mit knapp achtzehn Jahren Albett Wimschneider kennen und verliebt sich. Der Vater will Anna nicht gerne gehen lassen, doch Anna setzt sich durch.
Sie ist bei der neuen Familie nicht gerne gesehen, vor allem bei den vier alten Verwandten. Doch Anna, als resolute Frau, läßt sich nicht beeindrucken und führt Landwirtschaft und Haushalt bis zur Heimkehr ihres Mannes.
Nach dem Krieg bauen sie die Landwirtschaft und modernisieren sie. Später wird der Hof aufgegeben ,weil keine der drei Töchter die Landwirtschaft weiterführen möchte.
Meinung
Mir hat das Buch gut gefallen, weil es in ungeschminkter Weise, und so gar nicht romantisch, den harten Alltag einer Bäuerin in ungekünstelter Weise schildert.
Das Buch ist im Handel unter der ISBN 3 - 8225 - 0636 - 2 erhältlich.
Petz, Wolfgang - Die letzte Hexe (Rezension)
Um die Geschichte der letzten Hexe zu erzählen, muß ich mit einem kleinen geschichtlichen Exkurs beginnen:
Voran sei geschickt, dass sie Anna Maria Schwägelin hieß und nicht verbrannt wurde, sondern in Gefangenschaft starb (keine Folter).
Wir schreiben die zweite Hälfte des 18.Jahrhunderts. Oberschwaben steht zwischen Aberglauben und Aufklärung, wobei sich die Aufklärung immer deutlicher in den Vordergrund schiebt.
Memmingen ist eine der Städte, die sich vom dunklen Muff befreit, vornehme, reiche Memminger Bürgerfamilien, die in der Stadtverwaltung ein gewichtiges wort zu reden haben, schicken ihre Söhne z.B. nach Göttingen, um Recht zu studieren und zum Wohle der Stadt anzuwenden.
Das hat sich in der Vergangenheit als sehr nützlich erwiesen. Hat sich doch in jüngster Zeit ein Fall mit Hilfe der Rechtswissenschaft und Medizin aufklären lassen, der hundert Jahre vorher die Beschuldigte auf den Scheiterhaufen geführt hätte. Ein Mädchen hatte nämlich Federn, Wolle und kleine Nägel erbrochen und zwei Frauen beschuldigt, sie verhext zu haben. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Mädchen hysterisch war, nach damaliger medizinischer Diagnose, und die Frauen wurden frei gesprochen. Das Mädchen unter medizinische Obhut gestellt. Das Beweisstück (Federn, Wolle,etc.) kann übrigens heute noch im Stadtmuseum besichtigt werden.
Memmingen, die freie Reichsstadt besaß für einen großen Umkreis die hohe und niedrige Gerichtsbarkeit.
Das war aber alles andere als leicht, da die Stadt mit einigen umliegenden Gemeinden protestantisch war.Andere Gemeinden waren katholisch, eine sogar calvinistisch. Es war also unabdingbar, da nach Gesetzt, ohne Ansehen der Konfession Recht gesproche werden mußte.
Das wurde aber recht gut gehandhabt; ein Bauer, z.B., wurde streng bestraft, weil er eine sterbende Magd, katholisch, in den Schnee legte, weil er keinen Geistlichen im Haus haben wollte.
Vom rückständigen Oberschwaben, das angeblich davon profitierte, dass ein Teil Bayern von Napoleon zugeschlagen wurde, kann nicht die Rede sein. Im Gegenteil, ein funktionierendes Gemeinde- und Rechtswesen wurde zerschlagen und in die Bedeutungslosigkeit zurückgeschleudert.
Die letzte Hexe
Anna Maria Schwägelin wurde um 1729 in Lachen geboren und auch getauft. Lachen war und ist immer noch katholisch, aber die nächste Gemeinde, auf einem Beg liegend, Theinselberg, ist calvinistisch (ev.-ref.), ebenso wie Untermoosbach.
Der Vater, zweimal verheiratet, ist ein sog. "Häusler" oder "Huber" wie man die armen Leute damals nannte. Er verdingte sich bei einem der stattlichen Bauernhöfe Untermossbachs, die, wenn das sog. Austragshaus noch nicht genutzt wurde, dem "Häusler" und seiner Familie zur Verfügung stellten.
Der Vater stirbt bereits 1753. Von den 10 Kindern, aus beiden Ehen, überleben nur 5, darunter eben Anna Maria. Eine Schwester hat sich bereits als Magd verdingt, ein Bruder läßt sich von der "holländischen Werbung" als Soldat rekrutieren und ab da gibt es von ihm kein Lebenzeichen mehr. Ein weiter Bruder stirbt unvermutet mit 19 Jahren. Bleiben nur noch ein kleines Kind (ca. 1 1/2) und die Mutter.
Mit dem Tod der Mutter, Anna ist etwa 19 Jahre alt, tritt sie, da sie sich als Magd verdingt, wieder in Erscheinung. Sie ist nicht ganzjährig beschäftigt, sondern arbeitet auch in der Stadt.
Dann tritt sioe für ein halbes Jahr in die Dienste des Freiherrn von Küner, dem Besitzer einer Fayacenfabrik. Dort lernt sie den Kutscher Martin Linck kennen. Er ist ev.-luth. und stellt ihr die Heirat in Aussicht, wenn sie zum lutherischen Glauben konvertieren würde.
Er verschafft ihr sogar eine gute Anstellung, beim "Hieber" (Hausname) in Buxach. Die "Hieberin" verspricht ihr eine Aussteuer, wenn sie konvertieren würde. Das ist eine verlockende Aussicht für die arme Dienstmagd, könnte sie eine Aussteuer nie aus eigenen Mitteln aufbringen.
Anna Maria Schwägelin konvertiert, ihrer eigenen Aussage zufolge, in der Memminger St.Martinskirche. Das ist aber mit Vorsicht zu behandeln, da sich in den Pfarrmatrikeln kein Hinweis findet.
Doch da zerschlagen sich die Heiratspläne, da die "Hieberin" am Kindebettfieber stirbt und sich der Kutscher Link einer anderen Frau zuwendet und sie schließlich heiratet. Jetzt sind wir am entscheidenden Punkt angelangt: ein Konfessionswechsel war zur damaligen Zeit etwas anderes als heute. Damals war man quasi für alle Zeiten in der Konfession, in der man aufgewachsen war. Die Menschen waren nicht so beweglich, sondern verblieben in der dörflichen Gemeinschaft, in der sie aufgewachsen waren. Ja, selbst ein Dienstbote war bestrebt, zumindest einen Partnerin/Partner derselben Konfession zu ehelichen, da dies eine gemeinsame geistige Heimat war.
Anna Maria arbeitet im darauffolgenden Jahr vorrwiegend als Tagelöhnerin in Memmingen.
Danach wieder im "lutherischen Hart", einem Vorort der Reichsstadt. Dort will sie, der eigenen Schilderung nach, erstmals dem Teufel begegnet sein:
es ist ein warmer Frühsommertag und sie wurde auf eine, dem Bauern gehörige Wiese geschickt, um dort frisches Gras zu schneiden. Die Arbeit ist schwer und so beschließt Anna, sich eine Weile hinzulegen. Sie schläft tatsächlich ein und erwacht erst wieder am frühen Nachmittag. Sie bekommt Angst, dass der Bauer ihre Nachlässigkeit bemerkt. Neben Gras schneidet sie nun auch jungen Hafer, der noch grün, in den Grasbündeln nicht auffällt, aber die Büschel rund und voll erscheinen läßt.
Noch in Hast und Eile, tritt ein Jäger auf sie zu. Zuerst will sie in ihm einen Bekannten erkannt haben, dann fällt ihr ein, dass der schon tot ist. Jetzt entdeckt sie auch, dass der Jäger hinkt. Sie weist ihn ab, akzeptiert aber schließlich doch, dass er die Grasbüschel trägt.
Man muß nun wissen, dass zur damaligen Zeit im Volksglauben die Vorstellung herrschte, der Teufel erscheine den Menschen als Jäger. Und Anna, in dem durch die Konversion verursachten Sündenbewußtsein, sieht diesen Menschen, wer immer es auch war, wenn er überhaupt existiert hat, den Teufel. Schließlich paktiert sie mit ihm, indem sie die Grasbündel tragen läßt.
Sie bleibt nicht lange in diesem Dienst und arbeitet wieder in verschiedenen Anstellungen und Tagewerken. Ihr Gewissen läßt ihr keine Ruhe: trotz mehrmaliger Beichten, verfällt sie geistig immer mehr.
Anna Maria Schwägelin verfällt geistig immer mehr.
Eine Festanstellung bekommt sie nicht mehr, sie läßt sich als Tagelöhnerin treiben.
Sie schließt sich einer anderen Tagelöhnerin an und die beiden finden Arbeit über mehrere Tage auf dem Gutshof der Memminger Kreuzherrn, dem Oberhart.
Die beiden Frauen bekommen neben gutem Lohn auch Essen und können auf dem geräumigen Dachboden übernachten.
Ihre Kollegin bekommt dort allerdings männlichen Besuch, ihren Liebhaber. Er hat sich um nicht entdeckt zu werden, das Gesicht geschwärzt und trägt dunkle Kleidung. Und er läßt sich die Gelegenheit nicht entgehen und schläft auch mit Anna Maria.
Das ist der endgültige Schritt in den geistigen Abgrund: Anna Maria glaubt fest daran, jetzt dem Teufel unwiderruflich anzugehören.
Sie vagabundiert und bettelt jetzt und kommt auf diese Weise bis nach Treuchtlingen.
Dort wird sie aufgegriffen und dem zuständigen Landrichter vorgeführt. Sie erzählt ihm ihre verworrene Geschichte. Der Richter, der damit nichts zu tun haben möchte, läßt sie nach Kempten überführen.
Der dortige Richter erhebt dort Anklage wegen Hexerei; im Grunde steht er der psychischen Erkrankung hilflos gegenüber.
Sie kommt ins Kemptener Stockhaus, der Prozess beginnt. Anna Maria Schwägelin wird für schuldig erkannt, der Urteilsspruch ergeht am 7. April 1775.
Das Urteil am 11. April 1775 vollstreckt.
Dieses Datum gilt seitdem als die Hinrichtung der letzen Hexe...
Aber seit einigen Jahre ist bekannt, dass diese Hinrichtung niemals stattfand.
Aus Akten des Depots Allgäu-Museum Kempten geht hervor, dass der Fall umgewandelt wurde, schließlich ruhte und dann in Vergessenheit geriet. Anna Maria fristete ihre letzten Jahre in einer Zelle des stiftskemptischen Gefängnisses.
Ihre Spur würde völlig verlöschen, wenn sich nicht in den Pfarrmatrikeln der Kemptener Lorenzkirche folgender Eintrag fände:
7. Februar 1781 A. Maria Schwägelin o.ss.p im Kemptener Stockhaus.
Voran sei geschickt, dass sie Anna Maria Schwägelin hieß und nicht verbrannt wurde, sondern in Gefangenschaft starb (keine Folter).
Wir schreiben die zweite Hälfte des 18.Jahrhunderts. Oberschwaben steht zwischen Aberglauben und Aufklärung, wobei sich die Aufklärung immer deutlicher in den Vordergrund schiebt.
Memmingen ist eine der Städte, die sich vom dunklen Muff befreit, vornehme, reiche Memminger Bürgerfamilien, die in der Stadtverwaltung ein gewichtiges wort zu reden haben, schicken ihre Söhne z.B. nach Göttingen, um Recht zu studieren und zum Wohle der Stadt anzuwenden.
Das hat sich in der Vergangenheit als sehr nützlich erwiesen. Hat sich doch in jüngster Zeit ein Fall mit Hilfe der Rechtswissenschaft und Medizin aufklären lassen, der hundert Jahre vorher die Beschuldigte auf den Scheiterhaufen geführt hätte. Ein Mädchen hatte nämlich Federn, Wolle und kleine Nägel erbrochen und zwei Frauen beschuldigt, sie verhext zu haben. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Mädchen hysterisch war, nach damaliger medizinischer Diagnose, und die Frauen wurden frei gesprochen. Das Mädchen unter medizinische Obhut gestellt. Das Beweisstück (Federn, Wolle,etc.) kann übrigens heute noch im Stadtmuseum besichtigt werden.
Memmingen, die freie Reichsstadt besaß für einen großen Umkreis die hohe und niedrige Gerichtsbarkeit.
Das war aber alles andere als leicht, da die Stadt mit einigen umliegenden Gemeinden protestantisch war.Andere Gemeinden waren katholisch, eine sogar calvinistisch. Es war also unabdingbar, da nach Gesetzt, ohne Ansehen der Konfession Recht gesproche werden mußte.
Das wurde aber recht gut gehandhabt; ein Bauer, z.B., wurde streng bestraft, weil er eine sterbende Magd, katholisch, in den Schnee legte, weil er keinen Geistlichen im Haus haben wollte.
Vom rückständigen Oberschwaben, das angeblich davon profitierte, dass ein Teil Bayern von Napoleon zugeschlagen wurde, kann nicht die Rede sein. Im Gegenteil, ein funktionierendes Gemeinde- und Rechtswesen wurde zerschlagen und in die Bedeutungslosigkeit zurückgeschleudert.
Die letzte Hexe
Anna Maria Schwägelin wurde um 1729 in Lachen geboren und auch getauft. Lachen war und ist immer noch katholisch, aber die nächste Gemeinde, auf einem Beg liegend, Theinselberg, ist calvinistisch (ev.-ref.), ebenso wie Untermoosbach.
Der Vater, zweimal verheiratet, ist ein sog. "Häusler" oder "Huber" wie man die armen Leute damals nannte. Er verdingte sich bei einem der stattlichen Bauernhöfe Untermossbachs, die, wenn das sog. Austragshaus noch nicht genutzt wurde, dem "Häusler" und seiner Familie zur Verfügung stellten.
Der Vater stirbt bereits 1753. Von den 10 Kindern, aus beiden Ehen, überleben nur 5, darunter eben Anna Maria. Eine Schwester hat sich bereits als Magd verdingt, ein Bruder läßt sich von der "holländischen Werbung" als Soldat rekrutieren und ab da gibt es von ihm kein Lebenzeichen mehr. Ein weiter Bruder stirbt unvermutet mit 19 Jahren. Bleiben nur noch ein kleines Kind (ca. 1 1/2) und die Mutter.
Mit dem Tod der Mutter, Anna ist etwa 19 Jahre alt, tritt sie, da sie sich als Magd verdingt, wieder in Erscheinung. Sie ist nicht ganzjährig beschäftigt, sondern arbeitet auch in der Stadt.
Dann tritt sioe für ein halbes Jahr in die Dienste des Freiherrn von Küner, dem Besitzer einer Fayacenfabrik. Dort lernt sie den Kutscher Martin Linck kennen. Er ist ev.-luth. und stellt ihr die Heirat in Aussicht, wenn sie zum lutherischen Glauben konvertieren würde.
Er verschafft ihr sogar eine gute Anstellung, beim "Hieber" (Hausname) in Buxach. Die "Hieberin" verspricht ihr eine Aussteuer, wenn sie konvertieren würde. Das ist eine verlockende Aussicht für die arme Dienstmagd, könnte sie eine Aussteuer nie aus eigenen Mitteln aufbringen.
Anna Maria Schwägelin konvertiert, ihrer eigenen Aussage zufolge, in der Memminger St.Martinskirche. Das ist aber mit Vorsicht zu behandeln, da sich in den Pfarrmatrikeln kein Hinweis findet.
Doch da zerschlagen sich die Heiratspläne, da die "Hieberin" am Kindebettfieber stirbt und sich der Kutscher Link einer anderen Frau zuwendet und sie schließlich heiratet. Jetzt sind wir am entscheidenden Punkt angelangt: ein Konfessionswechsel war zur damaligen Zeit etwas anderes als heute. Damals war man quasi für alle Zeiten in der Konfession, in der man aufgewachsen war. Die Menschen waren nicht so beweglich, sondern verblieben in der dörflichen Gemeinschaft, in der sie aufgewachsen waren. Ja, selbst ein Dienstbote war bestrebt, zumindest einen Partnerin/Partner derselben Konfession zu ehelichen, da dies eine gemeinsame geistige Heimat war.
Anna Maria arbeitet im darauffolgenden Jahr vorrwiegend als Tagelöhnerin in Memmingen.
Danach wieder im "lutherischen Hart", einem Vorort der Reichsstadt. Dort will sie, der eigenen Schilderung nach, erstmals dem Teufel begegnet sein:
es ist ein warmer Frühsommertag und sie wurde auf eine, dem Bauern gehörige Wiese geschickt, um dort frisches Gras zu schneiden. Die Arbeit ist schwer und so beschließt Anna, sich eine Weile hinzulegen. Sie schläft tatsächlich ein und erwacht erst wieder am frühen Nachmittag. Sie bekommt Angst, dass der Bauer ihre Nachlässigkeit bemerkt. Neben Gras schneidet sie nun auch jungen Hafer, der noch grün, in den Grasbündeln nicht auffällt, aber die Büschel rund und voll erscheinen läßt.
Noch in Hast und Eile, tritt ein Jäger auf sie zu. Zuerst will sie in ihm einen Bekannten erkannt haben, dann fällt ihr ein, dass der schon tot ist. Jetzt entdeckt sie auch, dass der Jäger hinkt. Sie weist ihn ab, akzeptiert aber schließlich doch, dass er die Grasbüschel trägt.
Man muß nun wissen, dass zur damaligen Zeit im Volksglauben die Vorstellung herrschte, der Teufel erscheine den Menschen als Jäger. Und Anna, in dem durch die Konversion verursachten Sündenbewußtsein, sieht diesen Menschen, wer immer es auch war, wenn er überhaupt existiert hat, den Teufel. Schließlich paktiert sie mit ihm, indem sie die Grasbündel tragen läßt.
Sie bleibt nicht lange in diesem Dienst und arbeitet wieder in verschiedenen Anstellungen und Tagewerken. Ihr Gewissen läßt ihr keine Ruhe: trotz mehrmaliger Beichten, verfällt sie geistig immer mehr.
Anna Maria Schwägelin verfällt geistig immer mehr.
Eine Festanstellung bekommt sie nicht mehr, sie läßt sich als Tagelöhnerin treiben.
Sie schließt sich einer anderen Tagelöhnerin an und die beiden finden Arbeit über mehrere Tage auf dem Gutshof der Memminger Kreuzherrn, dem Oberhart.
Die beiden Frauen bekommen neben gutem Lohn auch Essen und können auf dem geräumigen Dachboden übernachten.
Ihre Kollegin bekommt dort allerdings männlichen Besuch, ihren Liebhaber. Er hat sich um nicht entdeckt zu werden, das Gesicht geschwärzt und trägt dunkle Kleidung. Und er läßt sich die Gelegenheit nicht entgehen und schläft auch mit Anna Maria.
Das ist der endgültige Schritt in den geistigen Abgrund: Anna Maria glaubt fest daran, jetzt dem Teufel unwiderruflich anzugehören.
Sie vagabundiert und bettelt jetzt und kommt auf diese Weise bis nach Treuchtlingen.
Dort wird sie aufgegriffen und dem zuständigen Landrichter vorgeführt. Sie erzählt ihm ihre verworrene Geschichte. Der Richter, der damit nichts zu tun haben möchte, läßt sie nach Kempten überführen.
Der dortige Richter erhebt dort Anklage wegen Hexerei; im Grunde steht er der psychischen Erkrankung hilflos gegenüber.
Sie kommt ins Kemptener Stockhaus, der Prozess beginnt. Anna Maria Schwägelin wird für schuldig erkannt, der Urteilsspruch ergeht am 7. April 1775.
Das Urteil am 11. April 1775 vollstreckt.
Dieses Datum gilt seitdem als die Hinrichtung der letzen Hexe...
Aber seit einigen Jahre ist bekannt, dass diese Hinrichtung niemals stattfand.
Aus Akten des Depots Allgäu-Museum Kempten geht hervor, dass der Fall umgewandelt wurde, schließlich ruhte und dann in Vergessenheit geriet. Anna Maria fristete ihre letzten Jahre in einer Zelle des stiftskemptischen Gefängnisses.
Ihre Spur würde völlig verlöschen, wenn sich nicht in den Pfarrmatrikeln der Kemptener Lorenzkirche folgender Eintrag fände:
7. Februar 1781 A. Maria Schwägelin o.ss.p im Kemptener Stockhaus.
Hamann, Brigitte - Rudolf - Der Weg nach Mayerling (Rezension)
Brigitte Hamann ist eine in Wien lebende Historikerin und Autorin.
Sie wurde am 26.07.1940 in Essen geboren.
Sie studierte Geschichte und Germanistik in Münster und Wien.
1963 Realschullehrer-Examen
Volontariat bei der DPA
1964 Redakteurin bei der "Neue Ruhr Zeitung"
1965 Heirat mit dem Historiker Prof. Günther Hamann in Wien
1966 erhielt sie die österreichische Staatsbürgerschaft und arbeitete als Assistentin ihres Mannes
1978 promovierte sie über Kronprinz Rudolf und gab noch im gleichen Jahr die gleichnamige Biographie heraus, die ein großer Erfolg wurde.
Seitdem arbeitet B. Hamann als freie Historikerin und Autorin.
Bekannte Bücher sind: "Rudolf - Kronprinz und Rebell", "Elisabeth - Kaiserin wider Willen", "Die Habsburger - ein Lexikon", "Hitlers Wien - Lehrjahre eines Diktators".
Sie erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen, darunter den "Bruno-Kreisky-Preis für das polit. Buch", "Preis der Stadt Wien für Publizistik", "Ehrenmedaille in Silber der Bundeshauptstadt Wien".
Rudolf - Der Weg nach Mayerling
Der Bildband erzählt die Geschichte des Kronprinzen Rudolf, der vor allem durch den geheimnisumwitterten Tod mit seiner 17jährigen Geliebten Mary Vetsera weltberühmt wurde.
Doch geht diesem skandalösen Tod ein reiches Leben voraus - inmitter des höfischen Glanzes der Kaiserstadt Wien, aber auch den Kontakten zu den Intellektuellen und "Freigeistern" im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Das Buch ist in sieben übersichtliche Kapitel gegliedert, das Vorwort sehr umfangreich.
Die Kapitel werden von knappen Informationen, in zwei Sprachen, Deutsch und Englisch, ergänzt.
Jede Seite enthält zahlreiche Fotos und Kopien von Schnellzeichungen der damaligen illustrierten Zeitungen.
Fotos und Schnellzeichnungen haben in der Regel offiziellen Charakter, was sie doch eher förmlich wirken läßt, was aber den altertümlichen Reiz dieser Bilder ausmacht.
Die Huldigungsadressen wirken oft überschwenglich und devot, schon dem Kind Rudolf gegenüber.
Auch werden die Fotos bereits zu diesem Zeitpunkt zur Darstellung politischer Bündnisse genutzt, etwa zur Bekräftigung des deutsch-österreichischen Bündnisses.
Ich mag das Buch aus folgenden Gründen gerne:
- guter Einband, hochwertiges Glanzpapier
- viele Fotos und Zeichnungen
- knapper, informativer Text
- eine gute Ergänzung zur Rudolf-Biographie
Sie wurde am 26.07.1940 in Essen geboren.
Sie studierte Geschichte und Germanistik in Münster und Wien.
1963 Realschullehrer-Examen
Volontariat bei der DPA
1964 Redakteurin bei der "Neue Ruhr Zeitung"
1965 Heirat mit dem Historiker Prof. Günther Hamann in Wien
1966 erhielt sie die österreichische Staatsbürgerschaft und arbeitete als Assistentin ihres Mannes
1978 promovierte sie über Kronprinz Rudolf und gab noch im gleichen Jahr die gleichnamige Biographie heraus, die ein großer Erfolg wurde.
Seitdem arbeitet B. Hamann als freie Historikerin und Autorin.
Bekannte Bücher sind: "Rudolf - Kronprinz und Rebell", "Elisabeth - Kaiserin wider Willen", "Die Habsburger - ein Lexikon", "Hitlers Wien - Lehrjahre eines Diktators".
Sie erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen, darunter den "Bruno-Kreisky-Preis für das polit. Buch", "Preis der Stadt Wien für Publizistik", "Ehrenmedaille in Silber der Bundeshauptstadt Wien".
Rudolf - Der Weg nach Mayerling
Der Bildband erzählt die Geschichte des Kronprinzen Rudolf, der vor allem durch den geheimnisumwitterten Tod mit seiner 17jährigen Geliebten Mary Vetsera weltberühmt wurde.
Doch geht diesem skandalösen Tod ein reiches Leben voraus - inmitter des höfischen Glanzes der Kaiserstadt Wien, aber auch den Kontakten zu den Intellektuellen und "Freigeistern" im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Das Buch ist in sieben übersichtliche Kapitel gegliedert, das Vorwort sehr umfangreich.
Die Kapitel werden von knappen Informationen, in zwei Sprachen, Deutsch und Englisch, ergänzt.
Jede Seite enthält zahlreiche Fotos und Kopien von Schnellzeichungen der damaligen illustrierten Zeitungen.
Fotos und Schnellzeichnungen haben in der Regel offiziellen Charakter, was sie doch eher förmlich wirken läßt, was aber den altertümlichen Reiz dieser Bilder ausmacht.
Die Huldigungsadressen wirken oft überschwenglich und devot, schon dem Kind Rudolf gegenüber.
Auch werden die Fotos bereits zu diesem Zeitpunkt zur Darstellung politischer Bündnisse genutzt, etwa zur Bekräftigung des deutsch-österreichischen Bündnisses.
Ich mag das Buch aus folgenden Gründen gerne:
- guter Einband, hochwertiges Glanzpapier
- viele Fotos und Zeichnungen
- knapper, informativer Text
- eine gute Ergänzung zur Rudolf-Biographie
Gotthelf, Jeremias - Die schwarze Spinne (Rezension)
Jeremias Gotthelf, eigentl. Albert Bitzius,wurde am 4.Oktober 1797 in Murgen, Kanton Freiburg, geboren.
Er wirkte als Pfarrer und Schriftsteller.
1817 Studium der Theologie in Bern, ab 1821 in Göttingen.
Seine anschließende Studienreise führte ihn nach Rügen, Berlin, Weimar, Leipzig, Dresden und München.
1824 wurde er Pfarrverweser in Herzogenbuchsee.
1829 Pfarrgehilfe an der Heiliggeistkirche in Bern.
1831 zunächst Vikar und ein Jahr später Pfarrer in Lützelflüh/Emmental.
Er setzte sich für die allg. Schulpflicht ein, war gegen die Ausbeutung der Kinder als billige Arbeitskräfte, forderte Maßnahmen gegen den Alkoholismus und war maßgeblich an der Errichtung der Armenerziehungsanstalt Trachselwald beteiligt.
Ab 1836 verfasste er Romane, Erzählungen und Kalendergeschichten. Seine bekanntesten Werke sind der Doppelroman "Uli der Knecht/Uli der Pächter" und die Novelle "Die schwarze Spinne".
1851 erkrankte er an einem Hal- und Herzleiden, das die Wassersucht nach sich zog.
1853 unterzog er sich einem Kuraufenthalt in Gurnigelbad, der aber keine Linderung brachte.
Am 22. Oktober 1854 starb er in Lützelflüh an einem Schlaganfall.
Die schwarze Spinne
Die Novelle beginnt mit der Schilderung einer Tauffeier, während deren Verlauf sich die Gäste im Garten vor einem Bauernhaus ergehen. Da fällt einer Patin ein schwarzer Fensterpfosten auf, der so gar nicht zum Haus paßt. Auf drängendes Nachfragen erzählt der Großvater folgende Geschichte:
Das Dorf gehörte einst zum Lehen der Ritter von Stoffeln. Diese Ritter waren harte Herren, die ihren Bauern harte Frondienste abverlangten. Aber dessen nicht genug: einer der Herren kam auf die Idee, sich durch Umpflanzung von Bäumen auf dem Schloßberg einen Schattengang errichten zu lassen. Um die Bauern noch zusätzlich zu quälen setzte er eine Frist, welche die Bauern, ohne ihre eigenen Arbeiten brach liegen zu lassen, nicht erfüllen konnten.
In diese Notlage erschien der Teufel den Bauern in der Erscheinung als wilder Jäger und bot ihnen seine Hilfe an. Als Lohn verlangte er ein ungetauftes Kind. Die Bauern stimmen dem schließlich zu und die zugezogene Bäuerin Christine läßt sich auf den Pakt ein, der mit einem Kuß des Teufels auf Christines Wange besiegelt wird.
Daraufhin erledigt der Teufel seine Aufgabe, die Bäume in kurzer Zeit zu pflanzen.
Als kurze Zeit später ein Kind geboren wird, rettet es der Pfarrer durch die sofortige Taufe. Christine empfindet seit diesem Zeitpunkt brenndende Schmerzen auf ihrer Wange, ein schwarzer Fleck bildet sich, der das Aussehen einer schwarzen Spinne hat.
Auch das nächstgeborene Kind wird durch die Taufe gerettet, doch ein fürchterliches Unwetter bricht bei der Taufe los. Das Gewächs auf Christines Wange platzt auf, viele kleine Spinnen krabbeln hervor und im Tal beginnt ein großes Viehsterben.
Die Bewohner beschließen, das nächste Neugeborene zu opfern, daraufhin geht das Viehsterben zurück. Christine raubt der Wöchnerin das Kind, trägt es zum Teufel und will es ihm übergeben, da tritt der Pfarrer dazwischen. Er besprengt das Kind mit Weihwasser, trifft den Teufel, der schnell flieht; triftt aber auch Christine, die zur schwarzen Spinne schrumpft. Die Spinne tötet nun wahllos: Mensch, Tier, auch den Ritter; Gegnewehr und Flucht sind sinnlos. Die Mutter, der Christine das Kind raubte, ist wachsam, denn sie ahnt ,dass es die Spinne auch auf sie abgesehen hat. Sie bohrt in den Fensterpfosten ein Loch und legt einen geweihten Zapfen und Hammer daneben. Noch mehr böse Träume und Vorahnungen quälen die junge Mutter. Schließlich erwacht sie eines Abends noch rechtzeitig, als die Spinne schon auf ihr Kind kriechen will. Todesmutig ergreift sie die Spinne, drückt sie in das Loch, drückt den Zapfen hinein und schlägt ihn fest. Die junge Frau bezahlt ihre Tat mit dem Leben, sie muß, weil sie die Spinne berührt hat, sterben.
Hier beendet der Großvater seine Erzählung, da im Haus das Essen aufgetragen wird. Doch die Gäste fühlen sich in dem Haus unwohl, was den Großvater veranlaßt, seine Erzählung fortzusetzen:
In den folgenden Jahrhunderten führen die Bewohner ein gottesfürchtiges Leben, fallen dann aber mit der Zeit wieder zurück in ein gottloses Verhalten. Ein bösartiger Knecht befreit, um die Mägde unter seiner Hand zu halten, die Spinne aus ihrem Gefängnis. Die Spinne tötet fast alle Bewohner des Dorfes. Doch als die nächste Geburt ansteht, fängt Christen, der Herr des bösartigen Knechts, die Spinne und drückt sie wieder in ihr Gefängnis zurück. Das Loch wird wieder mit einem geweihten Zapfen verschlossen. Auch Christen bezahlt den Einsatz mit seinem Leben.
Bei jedem neuen Hausbau wird der Pfosten wieder mitverwendet, zuletzt vom Großvater, der gewiß ist, dass Gott über allem wacht.
Die Geschichte endet mit der gemütlichen Fortführung der Tauffeier.
Mit persönlich hat die Novelle immer gut gefallen, da sie viele unheimliche Passagen hat; er Erzählstil ist flüssig, der Spannungsbogen gut aufgebaut.
Mitunter schaue ich, wenn ich die Novelle wieder einmal lese, über meine Schulter, denn so eine heimliche Angst läßt sich nicht immer abschütteln...
Eine kleine Katze namens Reza - Fortsetzung 19
Guten Morgen, liebe Lesegemeinde,
ich denke, es ist an der Zeit, wieder einmal ein bischen von mir zu erzählen.
Wie ihr wißt, bin ich im letzten November operiert worden, eine Erfahrung, die ich gerne vergessen möchte, und alles ist wieder gut verheilt, sogar die Lockenhaare an meinem Bauch sind wieder nachgewachsen, obwohl das sehr lange gedauert hat. Ich kam mir in dieser Zeit vor wie ein Punker und habe eigentlich nur gewartet, wie lange es dauert, bis mir die kurzen Haare mit Kokoswachs in Form gebracht werden. Das war aber nicht so, obwohl ich da schon neugierig gewesen wäre und das Wachs irgendwie lecker riecht.
Seit meiner OP bekomme ich nur noch sehr gutes Futter, Fleischanteil bei etwa 70%, das immer mit ein bischen Wasser zusätzlich angerührt wird. Trockenfutter gibt es nur noch in bescheidenen Mengen, sozusagen als knusprige Zwischenmahlzeit. Naja, das gefällt mir irgendwie nicht ganz so gut, aber mein Fraule beharrt darauf. Ich kann sie ja verstehen, denn schließlich ist mein Darm ein bischen mehr empfindlich, als bei Katzen, die nicht operiert wurden.
Unterdessen habe ich mich auch mit kämmen und bürsten angefreundet. Zum einen, weil ich keinen Kurzhaarschnitt möchte, zum anderen, weil mir diese Art der Fellpflege einfach nur gut tut und mein Fell dann besonders glänzt und flauschig wird. Die Flauschige war ich zwar schon vorher, aber da saß leider der eine oder andere Zwackel drin, was jetzt nicht mehr der Fall und sehr angenehm ist. Ich kann meine Halter jetzt gut verstehen, dass sie gerne zum Friseur gehen, da gibt es dann auch keine Zwackel mehr, aber so eine wirkliche Konkurrenz sind sie nicht für mich, hihi.
So, und nun werde ich noch ein bischen spielen, mir dann mein Bäuchlein mit leckerem Futter füllen und dann ein laaanges Schläfchen halten...
Euch allen einen schönen und warmen Tag,
Eure Reza
ich denke, es ist an der Zeit, wieder einmal ein bischen von mir zu erzählen.
Wie ihr wißt, bin ich im letzten November operiert worden, eine Erfahrung, die ich gerne vergessen möchte, und alles ist wieder gut verheilt, sogar die Lockenhaare an meinem Bauch sind wieder nachgewachsen, obwohl das sehr lange gedauert hat. Ich kam mir in dieser Zeit vor wie ein Punker und habe eigentlich nur gewartet, wie lange es dauert, bis mir die kurzen Haare mit Kokoswachs in Form gebracht werden. Das war aber nicht so, obwohl ich da schon neugierig gewesen wäre und das Wachs irgendwie lecker riecht.
Seit meiner OP bekomme ich nur noch sehr gutes Futter, Fleischanteil bei etwa 70%, das immer mit ein bischen Wasser zusätzlich angerührt wird. Trockenfutter gibt es nur noch in bescheidenen Mengen, sozusagen als knusprige Zwischenmahlzeit. Naja, das gefällt mir irgendwie nicht ganz so gut, aber mein Fraule beharrt darauf. Ich kann sie ja verstehen, denn schließlich ist mein Darm ein bischen mehr empfindlich, als bei Katzen, die nicht operiert wurden.
Unterdessen habe ich mich auch mit kämmen und bürsten angefreundet. Zum einen, weil ich keinen Kurzhaarschnitt möchte, zum anderen, weil mir diese Art der Fellpflege einfach nur gut tut und mein Fell dann besonders glänzt und flauschig wird. Die Flauschige war ich zwar schon vorher, aber da saß leider der eine oder andere Zwackel drin, was jetzt nicht mehr der Fall und sehr angenehm ist. Ich kann meine Halter jetzt gut verstehen, dass sie gerne zum Friseur gehen, da gibt es dann auch keine Zwackel mehr, aber so eine wirkliche Konkurrenz sind sie nicht für mich, hihi.
So, und nun werde ich noch ein bischen spielen, mir dann mein Bäuchlein mit leckerem Futter füllen und dann ein laaanges Schläfchen halten...
Euch allen einen schönen und warmen Tag,
Eure Reza
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