Mittwoch, 3. Februar 2016

Mein Lesetagebuch - Teil 2

Mit "Bolwieser - Roman eines Ehemanns" bin ich jetzt auch durch.
Der Roman ist nicht im bäuerlichen Raum, sondern diesmal im Mief des kleinstädtischen Millieus angesiedelt. Jeder kennt jeden, jeder weiß etwas, man steht quasi unter unterschwelliger ständiger Beobachtung. 
Nebenbei bemerkt: ist es heute im Grunde heute noch genauso? Dieser Mief hat sich nicht wirklich verabschiedet, nur verlagert....
In diesem Umfeld lebt nun Xaver Bolwieser. Er ist Bahnhofsvorstand, ein respektabler Mann in einer respektablen Position. In der Kleinstadt gehört er zu den gewichtigen Persönlichkeiten. Seine Frau ist eine appetitliche Person, hübsch, und als Tochter eines Brauereibesitzers eine gute Partie.
Aber der gute Xaver lebt auch sozusagen unter dem Pantöffelchen und versucht es seiner Frau Hanni Recht zu machen, wo immer es geht. Wirtshausbesuche, um mit seinen Freunden Karten zu spielen, zu rauchen und auch mal über den Durst zu trinken, unterläßt er ihr zuliebe. Hintenherum wird natürlich getuschelt, getratscht und gelacht, aber wie es eben so ist, offen sagt keiner etwas zu Bolwieser, sondern begegnet ihm mit scheinbarem Respekt und Höflichkeit.
Hanni langweilt sich jedoch zunehmend in ihrem Leben als Hausfrau. Es ist eintönig, da die Beiden auch keine Kinder haben. Zuerst wollte sie kein Kind, die Szene in der Hochzeitsnacht ist köstlich beschrieben, dann wollen sie noch warten und schließlich wollen Beide keine Kinder mehr. Der Vater Hannis versteht das nicht. Er fragt bei einem Besuch nach, er fährt öfters über Land, um schlecht gehende Gasthäuser aufzukaufen, sie in Schwung bringen zu lassen und dann mit Gewinn zu verkaufen, warum sie dann so sparsam seien, man müßte doch wissen wofür, eben für Kinder täte man das normalerweise. Xaver argumentiert, dass man es auch zu zweit schön haben könne.
Und wie gesagt, der Besuch von Hannis Vater hat einen Grund: die Gastwirtschaft "Torbräu" lauft schlecht und das hat auch seinen Grund. Der Wirt ist unfreundlich, das Personal schlecht und das Essen, auf das man zu lange warten muß, schauderhaft. Kurzum, nichts stimmt und dem alten Neidhard, eben Hannis Vater, gelingt es, den Torbräu günstig zu erwerben.
Und er hat schon einen Plan: nach einer gründlichen Renovierung wird er Franz Merkl als Pächter auf die Wirtschaft setzen. Franz Merkl ist ein tüchtiger Pächter und Metzger obendrein, versteht also etwas von Fleisch, Essen und einem gewissen Maß an Schläue, um die Gastwirtschaft in Schwung zu bringen.
Als Hanni von ihrem Vater hört, dass der Merkl die Wirtschaft übernehmen soll, freut sie sich, denn der Merkl ist ein alter Schulfreund von ihr, den sie lange nicht gesehen hat.
Und wirklich: kaum ist die Wirtschaft renoviert, kommt Franz, um sie richtig in Schwung zu bringen. Neben schmackhaftem Essen, süffigem Bier und gutem Personal, bietet er auch Tanzveranstaltungen an, selbst die Kartler finden ihren Platz. Und auch der Franz ist ein fescher Mann, dem die Frauen gerne nachsehen und das beste ist, er ist frei, ledig, noch zu haben. Das ist, natürlich, ein zusätzlicher Magnet.
Hanni geht mit Xaver einmal zu einer dieser Tanzveranstaltungen. Sie tanzt gerne, aber Xaver kann leider nicht tanzen, aber er gönnt seiner Frau das harmlose Vergnügen, bei dem er auch gerne zusieht. Hanni tanz sehr viel mit Franz, der offensichtlich ein guter Tänzer ist, doch in Hannis Bauch tanzen die Schmetterlinge...
Auch Hanni läßt den Franz nicht kalt, hat er doch nicht nur seine Schulfreundin, sondern auch seine Jugendliebe wiedergefunden. Hanni wehrt sich zunächst gegen ihre Gefühle, überlegt aber gleichzeitig, wie sie den Franz immer wieder besuchen kann, ohne dass es auffällt. Sie kommt auf die Idee, ihren Mann öfters in die Wirtschaft zu schicken. Dort verkehren auch seine Freunde, mit denen er früher öfters Karten gespielt hat und mit denen er sich gelegentlich auf ein Bier getroffen hat. Sie stellt es sehr geschickt an: sie redet Xaver ein, dass die Leute womöglich darüber tratschen würden, dass er nie mehr am Stammtisch erscheine. Das würde doch den Anschein erwecken, er dürfe das nicht. Xaver beißt prompt an und ist am Stammtisch herzlich willkommen. Auch zu den Tanzveranstaltungen gehen Xaver und Hanni regelmäßig und zwischen den Bolwiesers und dem Merkl scheint sich eine Freundschaft zu entwickeln. Hanni bezieht von Franz in der Zwischenzeit auch Fleisch und so scheint es zunächst gar nicht aufzufallen, dass sie immer wieder den Franz im "Torbräu" aufsucht. Das Gasthaus läuft im Laufe eines Jahres so gut an, dass sie der Franz kaufen möchte. Hanni leiht dem Franz aus ihrer Erbschaft das dazu nötige Geld und bindet ihn dadurch an sich. Das ist ihr nur recht, denn schon längst hat sich zwischen den Beiden eine heftige Liebesaffaire entwickelt.

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